Sexualitäten und Geschlechter im Spiegel

Im Alltag werden Menschen den Geschlechtern Mann oder Frau zugeordnet. Dieses binäre Geschlechtersystem orientiert sich stark an der geschlechtlichen Fortpflanzung und dem damit verbundenen Begehren: Männer „wollen Sex mit Frauen“ und Frauen stehen nur auf Männer. Andere Vorstellungen und Möglichkeiten von Geschlecht und Sexualität wurden und werden oft noch als Abweichung von der binären Norm betrachtet, tabuiert oder sogar als „unnormal“ abgewertet. Das galt z.B. selbst für Neugeborene, deren Körper weder eindeutig männlich oder weiblich zuzuordnen war. In Deutschland gibt es erst seit Ende 2018 die Möglichkeit für diese inter*geschlechtlichen Kinder, im Geburtenregister „divers“ statt „männlich“ oder „weiblich“ einzutragen. Ein Beispiel zur Sexualität sind gleichgeschlechtliche Paare, die erst seit 2017 heiraten dürfen. Langsam entwickelt sich aber bei uns das Verständnis von Geschlecht und Sexualität hin zu einer offeneren Sichtweise: Geschlecht wird als ein Spektrum von Abstufungen zwischen “männlich” und “weiblich” verstanden und Sexualität unabhängig von der Fortpflanzung gesehen, weil Menschen nicht nur Sex suchen, um Kinder zu zeugen. Letzteres geschah oder geschieht manchmal eher „versehentlich“.

Kontakt

Projekleitung: Kristina Schneider
E-Mail: kristina.schneider@vnb.de
Tel: 0551 50764625

VNB Geschäftsstelle Göttingen
Nikolaistraße 1c
37073 Göttingen

Anderswo auf der Welt gab und gibt es Vorstellungen von Sexualität und Geschlecht, die mehr kennen und erlauben als das binäre Geschlechtersystem. Als Beispiele werden die Hijras (u.a. in Indien) und die Kathoey (in Thailand und Laos) vorgestellt. Allerdings sind diese „alternativen“ Geschlechtsmodelle nicht frei von Normen oder starr und unveränderlich. Vielmehr zeigt sich, dass durch „westliche“ Einflüsse diese Geschlechtsidentitäten Veränderungen unterworfen waren und sind, z.B. während der Kolonialisierung und Missionierung und aktuell durch die Globalisierung.

Auch unsere „westlichen“ Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität haben sich im Laufe der Jahrhunderte geändert. Ein Beispiel ist der Umgang mit gleichgeschlechtlicher Sexualität. So berichten ältere Schwule, wie sie in den 1960er Jahren als Jugendliche problemlos Sex mit gleichaltrigen Jungen hatten. Weder sie noch ihre Sexpartner verbanden das mit Homosexualität. Umkehrt heirateten viele homosexuelle Männer auch noch in den 1960er Jahren eine Frau, weil das Zusammenleben mit einem Mann nicht denkbar war für sie. Die Vorstellung, dass Sex zwischen Männern bedeutet, die beiden sind „homosexuell“, ist erst 120 Jahre alt. Die Tafel „Hetero- und Homosexualität“ erläutert das weiter.

Da die meisten Männer Frauen begehren und umgekehrt die meisten Frauen Männer, prägt diese Mehrheit die Vorstellungen über Sexualität und Geschlecht. Auch betrifft Trans* oder Inter*geschlechtlichkeit die meisten Menschen nicht persönlich. In der Gesellschaft haben sich so Normen entwickelt, die nur die Perspektive und Interessen der Mehrheit berücksichtigen. Das Ergebnis nennt die Forschung „Heteronormativität“. Um die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten und sexuellen Orientierungen außerhalb der Heteronormativität bewusster zu machen, wurden und werden jetzt neue Begriffe geschaffen. Oft geht das von Menschen aus, die der Heteronormativität nicht entsprechen können oder wollen. Zusammengefasst werden diese Begriffe in der Abkürzung „LSBTIQ*“ (Lesbisch, Schwul, Bi*, Trans*, Inter*, Queer), wobei immer mehr Begriffe wie z.B. „Asexuell“ hinzukommen.

Initiator und Träger des Projekts „SuGiS: Sexualitäten und Geschlechter im Spiegel“ ist der Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB e.V.). Der VNB ist eine vom Land Niedersachsen anerkannte Landeseinrichtung der Erwachsenenbildung. Er ist in ganz Niedersachsen zusammen mit seinen ca. 200 Mitgliedern bzw. Kooperationspartner*innen in der politischen Bildung tätig. Einige Kooperationspartner*innen und Mitglieder beteiligten sich auch an dieser Ausstellung. Ihnen sei an dieser Stelle gedankt.

Um die Vielfalt des Themenbereichs abzubilden, arbeitet der VNB e.V. sowohl mit LSBTI*Strukturen als auch mit Interessenvertretungen von Menschen mit Migrationserbe. Voraussichtlich wird im März 2021 mit einer Vernissage die Ergebnisse des Forschungsprojektes der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die Inhalte der Ausstellung und vertiefende und weiterführende Materialien werden zudem auf dieser Projektwebseite bereitgestellt. Interessierte Institute, Vereine und Verbände können sich gern an den VNB e.V. wenden, um gemeinsam Veranstaltungen für die jeweiligen Kontexte Veranstaltungen zu organisieren.

Über uns

Der VNB ist ein zertifizierter Bildungs- und Projektträger mit breitem Angebot. Er unterstützt Menschen, die sich persönlich oder beruflich weiterentwickeln möchten. Der VNB berät ferner Nichtregierungsorganisationen (NRO), ehrenamtliche Initiativen und Vereine. Er ist vom Land Niedersachsen als Landeseinrichtung der Erwachsenenbildung anerkannt. Über 200 Institutionen, Vereine und Initiativen mit einem weit gefächerten Themenspektrum arbeiten mit dem VNB zusammen. Ein Bildungsverbund, der in Niedersachsen einmalig ist. So ist der VNB lokal-regional, aber auch bundesweit und international aktiv.